Gobert und Hessische Schweiz

Der Schwerpunktbereich Gobert und Hessische Schweiz umfasst den Abschnitt des Grünen Bandes vom Hangfuß des Muschelkalk-Tafelberges der Gobert, nahe der Ortschaft Asbach-Sickenberg, bis zum Tal der Frieda.

Heinz Sielmann Stiftung

Neben dem Grenzstreifen und den großflächigen Wäldern der Gobert, wurde das Tal des Kellaer Baches länderübergreifend in das Kerngebiet einbezogen. Der Kellaer Bach entspringt in mehreren Zuflüssen im Talkessel östlich der Gobert und verläuft dann in Richtung Süden auf die Werra zu. Der Thüringer Teil mit den Quellbereichen wird weiträumig von Grünland geprägt. Auf Hessischer Seite verläuft der Kellaer Bach durch ein eng von Wald begrenztes Wiesental.

Die Gobert ist ein so genannter Zeugenbergkomplex, dessen bis zu 300 Meter hoher Stufenrand durch Buchten, tief reichende Täler und kesselartige Talschlüsse stark gegliedert ist. Von dem Zeugenbergkomplex sind teilweise noch kleine Tafelberge abgetrennt, wie die 523 Meter hohe Hörne. Die Gobert erhebt sich stellenweise bis zu 400 Höhenmeter über das Werratal und hat im Hohestein (Hessen) mit 569 Metern über Normalnull ihre höchste Erhebung und damit den höchsten Punkt des Projektgebietes.

Flora

Der Schwerpunktbereich ist aufgrund des Vorkommens zahlreicher bedrohter oder seltener Lebensräume und Arten von bundesweiter Bedeutung für den Naturschutz. Zu den Wert gebenden Lebensräumen in typischer Ausprägung zählen: Kalk-Orchideen-Buchenwälder mit Eibenvorkommen, Linden-Ahorn-Hangschuttwälder, Waldmeister-Buchenwälder, Kalkfelsen mit Felsfluren, Kalk-Schutthalden mit Ruderalfluren, Kalk-Wacholderheiden, Kalktuffquellen und Quellbäche. Für die Waldgebiete der Gobert ist die raumgreifende und außerordentliche Laubwaldprägung durch das Fehlen großflächiger Nadelholzforsten in den Hanglagen bemerkenswert.

Charakteristische, geschützte Pflanzen der Kalk-Laubwälder der Gobert sind:

  • Märzenbecher (Leucojum vernum),
  • Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha),
  • Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) sowie
  • Rotes, Weißes und Schmalblättriges Waldvöglein (Cephalanthera sp.).

Besondere Bedeutung haben auch die Eibenvorkommen (Taxus baccata) auf der Gobert und im südlich angrenzenden Schwerpunktbereich. Gemeinsam mit den angrenzenden Muschelkalkhöhenzügen in Hessen und Thüringen besitzt die Art hier die individuenreichsten Bestände Deutschlands.
Die steilen Muschelkalkhänge und Felsen sind teilweise von Natur aus waldfrei. Sie sind mit lückigen Blaugrasrasen bewachsen. Die Blaugrasrasen der Gobert sind innerhalb der nördlichen Mittelgebirge Deutschlands, neben den Beständen der Reinsberge bei Plauen (Thüringen), die am höchsten gelegenen und stellen damit eine Besonderheit dar.

Hier finden sich dealpine Arten wie:

  • Berg-Distel (Carduus defloratus),
  • Kahlköpfiger Rauher Löwenzahn (Leontodon hispidus ssp. danubialis),
  • Gabeliges Habichtskraut (Hieracium bifidum) und
  • Buntes Reitgras (Calamagrostis varia).

Charakteristisch sind außerdem Mitteleuropäische Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Breitblättriges Laserkraut (Laserpitium latifolium) und Heilwurz (Seseli libanotis).

Das Grüne Band verläuft über das Muschelkalkplateau und ist als orchideenreicher Kalk-Halbtrockenrasen-Komplex ausgeprägt. Hier finden sich Wert gebende Arten wie:

  • Hügel-Veilchen (Viola collina),
  • Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera),
  • Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula),
  • Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea),
  • Helm-Knabenkraut (Orchis militaris),
  • Deutscher Enzian (Gentianella germanica),
  • Fransen-Enzian (Gentianella ciliata),
  • Bartlings Sommerwurz (Orobanche bartlingii) und
  • Alpen-Leinblatt (Thesium alpinum)
Einen seiner Verbreitungsschwerpunkte in Thüringen und Hessen hat der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) im Bereich der Gobert und der Muschelkalkhöhen östlich von Wanfried.

Fauna

In diesem Abschnitt sind Zauneidechse (Lacerta agilis) und Schlingnatter (Coronella austriaca) anzutreffen.

Zu den Wert gebenden Tierarten zählen außerdem:
  • Wildkatze (Felis sylvestris),
  • Schwarzstorch (Ciconia nigra),
  • Raubwürger (Lanius excubitor),
  • Baumfalke (Falco subbuteo),
  • Rotmilan (Milvus milvus),
  • Wendehals (Jynx torquilla) und
  • zahlreiche Fledermausarten.
An den Felswänden der Gobert brütet mittlerweile wieder der Uhu (Bubo bubo) und dank erfolgreicher Wiederansiedlungsbemühungen Anfang der 1990er Jahre auch der Wanderfalke (Falco peregrinus).