Muschelkalkhöhen östlich von Wanfried

Der Schwerpunktbereich umfasst die Muschelkalkhöhenzüge von Keudelskuppe, Plesse, Konstein, Karnberg und nördlichem Treffurter Stadtwald. Das Grüne Band folgt aus dem Friedatal kommend der Kammlinie der Bergkuppen.

Heinz Sielmann Stiftung

Die Muschelkalkhöhen östlich von Wanfried sind geschlossen bewaldet und haben eine Flächengröße von rund 2.300 Hektar. Zwischen Konstein und Karnberg wird das Gebiet durch die Bundesstraße 249 zerschnitten. Prägende Lebensraumtypen der Laubwälder sind vor allem naturnahe Kalk-Orchideen-Buchenwälder, Linden-Ahorn-Hangschuttwälder und großflächige Waldmeister- und Waldgersten-Buchenwälder.

Neben einigen Flächenumbrüchen in Siedlungsnähe, konnten sich im Grünen Band noch orchideenreiche Kalk-Halbtrockenrasen-Komplexe mit Frauenschuhvorkommen (Cypripedium calceolus) erhalten. Im Bereich des Karnberges wurde die Grünlandbewirtschaftung in den letzten Jahren über mehrere Kilometer hinweg intensiviert, so dass Halbtrockenrasen und artenreiches Grünland entwertet wurden.

Der Schwerpunktbereich Muschelkalkhöhen östlich von Wanfried ist in seiner Gesamtheit und im Hinblick auf Biotop- und Artenausstattung ähnlich zu bewerten, wie der Schwerpunktbereich Gobert und Hessische Schweiz. Zwei geologische Besonderheiten verdienen darüber hinaus besondere Aufmerksamkeit:

  • 1640 ereignete sich am Südwesthang der Plesse ein Bergsturz, wodurch eine 200 Meter lange und 25 bis 50 Meter hohe Kalkfelswand entstand, die noch heute das Landschaftsbild prägt.
  • Im Gatterbachtal befindet sich der Wasserfall "Elfengrund" mit bis zu sechs Meter mächtigen Kalktuffen.

Flora

Neben den individuenreichen Eibenvorkommen (Taxus baccata) der Waldgebiete, gibt es einige beispielhaft ausgeprägte Kalk-Tuffquellen mit ihren Quell-Sümpfen. Sie werden in ihrem äußeren Erscheinungsbild meist von kalk- und feuchtigkeitsliebenden Kleinseggen, wie:

  • Davall-Segge (Carex davalliana),
  • Echte Gelbsegge (Carex flava),
  • Blaugrüne Segge (Carex flacca) und
  • Hirsen-Segge (Carex panicea) geprägt.
Weitere Charakterarten sind:

  • Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium),
  • Breitblättrigem Wollgras (Eriophorum latifolium),
  • Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris),
  • Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata),
  • Purgier-Lein (Linum catharticum),
  • Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris),
  • Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris),
  • Bitteres Kreuzblümchen (Polygala amarella),
  • Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica) und
  • Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre).
Fauna

Das Arteninventar ist vergleichbar mit dem des Schwerpunktbereiches Gobert und Hessische Schweiz. Für das Vorkommen der Wildkatze (Felis sylvestris) gibt es jedoch kaum Belege. Die Art hat dagegen bekannte Populationen in den größeren, benachbarten Waldgebieten, wie dem Westerwald (Thüringen) im Norden, dem Schlierbachswald (Hessen) im Südwesten und dem Hainich (Thüringen) im Osten.

In diesen Wäldern sind auch Brutvorkommen des Schwarzstorches (Ciconia nigra) nachgewiesen, ein Brutpaar wird außerdem jeweils für die Keudelskuppe und den nördlichen Treffurter Stadtwald vermutet. Als Nahrungsgast kann der Schwarzstorch regelmäßig an der Werra, im Gatterbachtal und im Tal des Heldraer Baches beobachtet werden.

Auffällig sind außerdem mehrere Brutvorkommen des Raubwürgers (Lanius excubitor) im Bereich des Grenzstreifens sowie in den, an den Wald angrenzenden Grünlandzonen.

Als weitere Wert gebende Arten sind nachgewiesen:

  • Rotmilan (Milvus milvus),
  • Wanderfalke (Falco peregrinus),
  • Baumfalke (Falco subbuteo),
  • Wespenbussard (Pernis apivorus),
  • Uhu (Bubo bubo),
  • Rebhuhn (Perdix perdix),
  • Braunkehlchen (Saxicola rubetra),
  • Schwarzkehlchen (Saxicola torquata),
  • Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans),
  • Zauneidechse (Lacerta agilis),
  • Schlingnatter (Coronella austriaca) und
  • zahlreiche Fledermausarten.